Systemischer Newsletter der GIS-Akademie
Dies sind die Themen im November:
Traumasensibel begleiten – Achtsamkeit im Coaching, in Beratung und Training

Kennst du das? Du sitzt mit einem Klienten oder einer Klientin im Coaching oder Beratungsgespräch, und plötzlich schweift der Blick deines Gegenübers in die Ferne. Vielleicht braucht diese Person einfach einen Moment Weite – doch manchmal steckt mehr dahinter: ein unbewusster Versuch, sich innerlich von belastenden Gefühlen oder Erinnerungen zu distanzieren.
In der Traumaarbeit nennen wir dieses Phänomen Dissoziation – ein Schutzmechanismus, der das Bewusstsein vor Überflutung bewahrt. In Beratung, Coaching oder Training kann es hilfreich sein, diese feinen Signale wahrzunehmen, ohne sie zu pathologisieren, und den Kontakt sanft wieder ins Hier und Jetzt zu führen.
Traumasensibles Wahrnehmen und Handeln
Ein traumasensibler Umgang bedeutet, die Möglichkeit innerer Überforderung immer mitzudenken. Das heißt nicht, therapeutisch zu arbeiten, sondern den Raum so zu gestalten, dass Sicherheit, Selbstbestimmung und Regulation unterstützt werden.
Ein traumasensibles Vorgehen zeigt sich in:
- Achtsamkeit für Signale von Stress oder Dissoziation (z. B. erstarrter Blick, monotone Stimme, Abwesenheit),
- Transparenz und Orientierung: „Ich erkläre, was als Nächstes geschieht“,
- Wahlmöglichkeiten und Pausen,
- bewusster Arbeit am Tempo und an der Tiefe des Prozesses.
Intervention: Der Blick als Weg zurück
Wenn du merkst, dass dein Gegenüber „wegdriftet“, kannst du die Blickführung sanft nutzen, um wieder Präsenz herzustellen:
„Ich sehe, dein Blick wandert gerade etwas in die Ferne. Magst du kurz wahrnehmen, was du im Raum siehst oder wo du dich gerade befindest?“
Oder:
„Lass deinen Blick einmal durch den Raum wandern und finde drei Dinge, die dir angenehm oder neutral erscheinen.“
Diese einfache Intervention kann helfen, Dissoziation zu unterbrechen und innere Sicherheit wieder aufzubauen – ohne Worte, ohne Druck.
Traumasensibilität ist eine Haltung
Traumasensibilität ist keine Methode, sondern eine Haltung.
Sie beruht auf Achtsamkeit, Respekt und der Einsicht, dass hinter Rückzug, Erstarrung oder Überanpassung meist ein Schutzmechanismus steckt.
Coaches, Berater:innen, und Trainer:innen die traumasensibel arbeiten, schaffen Räume, in denen Vertrauen, Selbstwirksamkeit und Heilung wachsen können – auch außerhalb der Therapie.
Artikel:

Markus Bundschuh
Geschäftsleitung Bereich Systemik
Dipl. Organisationspsychologe – Gestalt- und Traumatherapeut (HeilprG)
Drei Übungen zur Stabilisierung und Erdung

Praxis-Tipp
Wenn in Gesprächen Unruhe oder Spannung entsteht, helfen wenige bewusste Atemzüge oder Sinnesanker, um innere Ruhe schnell wiederzufinden.
Hier sind drei kleine Übungen von unserem Geschäfts- und Weiterbildungsleiter Markus Bundschuh, die du jederzeit einsetzen kannst, wenn Anspannung oder Überforderung spürbar werden:
Drei Übungen zur Stabilisierung und Erdung
5–4–3–2–1-Übung
Nenne 5 Dinge, die du siehst, 4, die du hörst, 3, die du fühlst, 2, die du riechst und 1, die du schmeckst.
→ Hilft, sich wieder mit den Sinnen zu verankern.
Bodenanker
Spüre beide Füße fest auf dem Boden, atme tief in die Fußsohlen und nimm bewusst den Kontakt zur Erde wahr.
→ Fördert Erdung und Körperbewusstsein.
Ressourcenbild
Stell dir einen inneren Ort der Ruhe oder Sicherheit vor. Welche Farben, Geräusche und Temperaturen gibt es dort?
→ Aktiviert das parasympathische Entspannungs-System und stärkt das Gefühl von Geborgenheit.
Welche ist deine Lieblingsübung zur Stabilisierung?
Schreib uns doch gern eine Mail an newsletter@gis-akademie.de.
Du kannst uns auch gern Fragen stellen oder Themenwünsche nennen.
Traumapädagogik und Traumafachberatung

Vielleicht hast du schon länger überlegt, dich in diesem Bereich weiterzubilden – aber der richtige Moment war noch nicht da.
Die Weiterbildung Traumazentrierte Fachberatung mit dem Schwerpunkt Traumapädagogik bietet dir die Möglichkeit, dein berufliches Handeln mit fundiertem Wissen, klarer Haltung und einer neuen inneren Sicherheit zu verbinden.
Viele Teilnehmende berichten, dass sie nach der Weiterbildung nicht nur fachlich, sondern auch persönlich gewachsen sind.
Unsere Dozent*innen verbinden langjährige Erfahrung in Traumaarbeit, Beratung und Pädagogik mit systemischer Haltung und einem tiefen Verständnis für komplexe Dynamiken.
Unter anderem begleitet dich Volkmar Suhr durch die Weiterbildung (Dipl. Pädagoge, zertifiziert gemäß DeGPT & FVTP, langjährige Praxis- und Lehrtätigkeit im Bereich Soziales und Psychotraumatologie).
Um einen Einblick zu bekommen, bieten wir regelmäßig Infoabend-Webinare an ab dem neuen Jahr.
Ergänzend finden über das Jahr verteilt unsere Trauma-Fachtage statt – kompakte Weiterbildungstage mit Impulsen zu Themen wie transgenerationalem Trauma, Bindungstrauma oder Trauma in pädagogischen Kontexten.
Hier findest du weitere Informationen zu unserem Seminar, den Fachtagen sowie Kontakt- und Finanzierungsmöglichkeiten (inkl. Förderungen und Ratenzahlung):
👉 www.gis-akademie.de