Traumasensibel begleiten – Achtsamkeit im Coaching, in Beratung und Training

Traumasensibel begleiten – Achtsamkeit im Coaching, in Beratung und Training

 

Kennst du das? Du sitzt mit einem Klienten oder einer Klientin im Coaching oder Beratungsgespräch, und plötzlich schweift der Blick deines Gegenübers in die Ferne. Vielleicht braucht diese Person einfach einen Moment Weite – doch manchmal steckt mehr dahinter: ein unbewusster Versuch, sich innerlich von belastenden Gefühlen oder Erinnerungen zu distanzieren.

In der Traumaarbeit nennen wir dieses Phänomen Dissoziation – ein Schutzmechanismus, der das Bewusstsein vor Überflutung bewahrt. In Beratung, Coaching oder Training kann es hilfreich sein, diese feinen Signale wahrzunehmen, ohne sie zu pathologisieren, und den Kontakt sanft wieder ins Hier und Jetzt zu führen.

Traumasensibles Wahrnehmen und Handeln

Ein traumasensibler Umgang bedeutet, die Möglichkeit innerer Überforderung immer mitzudenken. Das heißt nicht, therapeutisch zu arbeiten, sondern den Raum so zu gestalten, dass Sicherheit, Selbstbestimmung und Regulation unterstützt werden.

Ein traumasensibles Vorgehen zeigt sich in:

- Achtsamkeit für Signale von Stress oder Dissoziation (z. B. erstarrter Blick, monotone Stimme, Abwesenheit),
- Transparenz und Orientierung: „Ich erkläre, was als Nächstes geschieht“,
- Wahlmöglichkeiten und Pausen,
- bewusster Arbeit am Tempo und an der Tiefe des Prozesses.

Intervention: Der Blick als Weg zurück

Wenn du merkst, dass dein Gegenüber „wegdriftet“, kannst du die Blickführung sanft nutzen, um wieder Präsenz herzustellen:
„Ich sehe, dein Blick wandert gerade etwas in die Ferne. Magst du kurz wahrnehmen, was du im Raum siehst oder wo du dich gerade befindest?“

Oder:

„Lass deinen Blick einmal durch den Raum wandern und finde drei Dinge, die dir angenehm oder neutral erscheinen.“
Diese einfache Intervention kann helfen, Dissoziation zu unterbrechen und innere Sicherheit wieder aufzubauen – ohne Worte, ohne Druck.

Traumasensibilität ist eine Haltung

Traumasensibilität ist keine Methode, sondern eine Haltung.
Sie beruht auf Achtsamkeit, Respekt und der Einsicht, dass hinter Rückzug, Erstarrung oder Überanpassung meist ein Schutzmechanismus steckt.
Coaches, Berater:innen, und Trainer:innen die traumasensibel arbeiten, schaffen Räume, in denen Vertrauen, Selbstwirksamkeit und Heilung wachsen können – auch außerhalb der Therapie.

Artikel:

Markus Bundschuh
Geschäftsleitung Bereich Systemik
Dipl. Organisationspsychologe – Gestalt- und Traumatherapeut (HeilprG)

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